Frau-Mann

 

So wollten wir es in den Anfängen der Frauenbewegung: Gemeinsam mit euch Männern, den Aufbruch der 1968 er nutzend, die Selbstverwirklichung und Emanzipation des weiblichen Geschlechtes erreichen.

Heute ist es an der Zeit einmal inne zu halten, sich umzuschauen und Bilanz zu ziehen. Es ist viel erreicht, aber es gibt auch Scherben und Wandel, die zu benennen sind. Weg mit den Scheuklappen – her mit der Inklusion der männerpolitischen Forderungen in die Gleichstellungspolitik dieses Landes.

Vater Staat hat Töchter u n d Söhne!

Inklusion statt Exklusivität

Eine neues Kapitel…

Goslar,  den 3.1.2010

Aus: „Befreiungsbewegung für Männer“, Hg. Gruner und Kuhla

Psychosozial-Verlag 2009

Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad –

oder

Geschlechterdemokratie ist machbar!

Junge Frauen haben heute mehr Chancen denn je, die Gleichstellung ist weitgehend erreicht. Aber: wird die heutige Sicht von Geschlechtergerechtigkeit den verschiedenen Bedürfnissen von Frau- und Mann-Sein gerecht? Spiegeln die nach Gender Mainstreaming beurteilten und geförderten Programme die wirklichen Probleme von „Frau und Mann“ im 21. Jahrhundert wider?

Gender Mainstreaming ist der Versuch die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen. Gender ist nicht Frauenpolitik, denn es sollen beide Geschlechter gleichermaßen in die Konzeptgestaltung eingebunden werden.  Dennoch kommt Gender meist als Frauenpolitik daher, übernimmt die staatlich verordnete Definitionsmacht und unterwirft somit einen dynamischen Prozess zwischen den Geschlechtern der staatlichen Kontrolle.

Soll dem Patriarchat ein Matriarchat folgen? Ist die Auflösung des biologischen Geschlechtes das Ziel? Und wer ist dann das Subjekt der politischen Forderungen der Frauenpolitik? Soll die Frau letztlich von der Bürde des Kinderkriegens befreit werden?

Was, wenn Frau und Mann gleich an Würde, aber von Natur aus anders sind?

“Liebes Paar”

Die ewige Vorherrschaft des Mannes über die benachteiligte Frau wird von einigen Frauen weiter beschworen. Oft wissen junge Frauen heute aber gar nichts mehr von den ehemals typischen Frauenthemen. Die Frauenbewegung hat die angesammelte Unzufriedenheit vieler Frauen thematisiert und dabei gute Arbeit geleistet.  Sie hat gezeigt, dass die Suche von Schuld im Äußeren produktiver, als ein In-Sich-Hineinfressen eigener Bedürfnisse ist. Sie ließ sich jedoch von einem ideologisierten Feminismus vereinnahmen. Dieser reitet auf den alten Themen herum und widerkäut Argumente, die sich längst überholt haben. Leider findet diese politisch korrekte Lesart mehr Gehör, als es einem konstruktiven Diskurs der Geschlechter im 21. Jahrhundert gut täte. Eine Versteinerung ehemals passender Standpunkte von Frauen hat stattgefunden und sich in das allgemeine Denken und Handeln der Gesellschaft eingebrannt.

Zwei wesentliche Argumente stehen im Fokus:

Frauen verdienen weniger. Ja, aber sie arbeiten auch weniger, nämlich durchschnittlich rund 12 Stunden pro Woche. Es sind unterschiedliche Arbeitnehmerstrukturen, die diese Differenzen ausmachen. Die Größe des Betriebes, die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Ausbildungsniveau und dgl.  Junge Frauen entscheiden sich, trotz bester Bildungsvoraussetzungen, oft nicht für die Berufe, die einträglich sind. Der Girls-day hat hier keine Abhilfe geschaffen. Es bleibt die individuelle Entscheidung junger Frauen sich in den beliebtesten Frauenberufen wiederzufinden.

Frauen gönnen sich für Familienarbeit Zeit, indem sie Teilzeit arbeiten. Sie fordern zu wenig vehement bessere Kinderbetreuung, um Beruf und Kinder optimal vereinbaren zu können. Sie scheuen sich einen in Teilzeit arbeitenden Ehemann mitzuversorgen, damit dieser seinen Teil der Familienarbeit unter guten Bedingungen leisten kann.

Frauen sind Opfer, insbesondere von häuslicher Gewalt. Opfer aber müssen keine Verantwortung für ihr Schicksal übernehmen. Häusliche Gewalt ist mehr als Gewalt eines Mannes gegen eine Frau. Die Gewaltdiskussion muss umfänglicher werden und aus ihrer Einäugigkeit heraus treten. Auch Frauen üben Gewalt aus, gegen Kinder und alte Familienangehörige. Sie üben Gewalt aus auch gegen Männer, nämlich zu gut 50 %. Studien hierzu gibt es seit Jahrzehnten. Mädchen sind zunehmend gewaltbereit. Die friedfertige Frau gibt es so nicht wirklich.

Das Gros der Männer ist nicht gewalttätig gegen Frauen. Es zu werden setzt fast immer voraus selbst einmal Opfer gewesen zu sein. Diesen Männern wurde als Opfer die gesellschaftliche Unterstützung und die praktische Hilfe nicht zu Teil, erst als Täter werden sie interessant.

Als Täter erhalten Männer (negative) Aufmerksamkeit, als Opfer keine. Erst wenn Männer es sich nicht mehr bieten lassen auf die Täterposition reduziert zu werden und diese Reduktion überwinden, ist Fortschritt denkbar und machbar – dabei ist nicht zu verkennen, das ein Großteil der von einer Minderheit von Männern ausgehenden Gewalt sich gegen Frauen und andere Männer richtet.

In einem emanzipatorischen Sinne muss es gelingen, die private und gesellschaftliche Sprachlosigkeit und Lähmung vieler Männer zu überwinden. Hierfür ist eine parteiliche Perspektive nötig, die weder eine distanzlose Identifizierung noch eine Entschuldigung für männliches Fehlverhalten meint. Das gilt im Übrigen auch für die Frauenpolitik.

Den Skandal der Verleugnung der gegen Männer gerichteten Gewalt öffentlich zu machen, stellt eine der aktuellen Herausforderungen dar. Der überwiegende Teil der Männer wird im Verlauf ihres Lebens nie gewalttätig, von öffentlichem Interesse scheint das nicht zu sein.

Frau gut – Mann schlecht, vielleicht ist die Frau sogar der bessere Mann? Aber, wollen Frauen auch die riskantesten und schmutzigsten Berufe ausüben, die zur Zeit noch den Männern vorbehalten sind? Wollen Sie einen 16 Stundenarbeitstag? Wollen Sie die Zwangsrekrutierung zum Wehr- oder Sozialdienst?

Eine subtile Männerverachtung hat sich in unserer Gesellschaft breitgemacht, ebenso wie eine Aussonderung der Väter aus den Familien. Wenn nur ein Geschlecht gewinnt, verlieren beide. Es gibt tote Winkel im Geschlechterdiskurs, die beleuchtet werden müssen.

Die derzeitigen Strukturen sind ausgerichtet auf die Unterstützung von Mädchen und Frauen. Alles was Frau ausmacht ist positiv besetzt, hier muss psycho-emotional ausgemistet, der Mann mitgedacht und zur Sprache gebracht werden. Männerforschung, Männerprojekte und Jungenarbeit müssen den gleichen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben, wie es Frauenforschung, Frauenprojekte und Mädchenarbeit bereits genießen.

Es besteht Nachholbedarf.

Im Moment werden Jungen und Männer geschwächt.  Sie bekommen in der Schule schlechtere Noten für gleiche Leistungen, sind Bildungsverlierer und in ihrer Persönlichkeit tief verunsichert. Das Jungenbild in unserer Gesellschaft ist grottenschlecht, es ist dringender Handlungsbedarf, im Interesse der kommenden Generationen und für den sozialen Frieden zwischen den Geschlechtern, denn hier wird eine Gruppe kollektiv benachteiligt.

Mann-sein erhöht das Risiko für einen frühzeitigen Tod. Die gesundheitliche Schlechterstellung einer gesellschaftlichen Gruppe entspricht deren gesellschaftlicher Benachteiligung. Männer sind also nicht das verletzlichere, vielmehr das verletzte Geschlecht.

Wie in der Mädchenarbeit muss adressatenspezifisch gearbeitet werden, dazu ist  eine emotionale und empathische Nachvollziehbarkeit von männlicher Benachteiligung erforderlich. Fachleute müssen sich in  ihrem Berufsalltag diesem Thema offensiv stellen und ihre private und berufliche Selbstreflexion an dieser Stelle deutlich erhöhen.

Eine Männerbewegung täte gut. Sie würde eine Geschlechterdebatte neu befeuern und befördern. Eine Emanzipationsbewegung tut not,  Abbau von Fremdbestimmung und mehr Selbstbestimmung für Männern, wie wir Frauen sie schon haben durften.

Aber wissen Männer schon genau, wie sie sich eine in allen Facetten gleichberechtigte Gesellschaft vorstellen? Eine Männerlobby übt Männlichkeitskritik und zeigt den Profit für Männer auf, wenn sie lebensfreundlichere Alternativen leben und sich selbst als Wesen mit einem sozial geprägten Geschlecht wahrnehmen.

Das Formulieren der männlichen Perspektive ist unverzichtbare Bedingung für einen echten Geschlechterdialog.

Diese Bewegung benötigt ein organisiertes, einheitliches und von öffentlichem Bewusstsein getragenes Außenbild, um in den Medien und bei der Bevölkerung wirklich anzukommen. Im Sinne eines demokratischen Miteinanders der Geschlechter  geht es um Gleichwertigkeit, Gleichbehandlung und Gleichverpflichtung.

So wie die Emanzipation Frauen vielfältige Möglichkeiten für ihre Lebensplanung und ihr Selbstverständnis gebracht hat, kann sie auch Männer aus ihren tradierten Rollen heraus bringen. Dies würde Frauen mit einer erweiterten Männerrolle konfrontieren, was wiederum eine neue, erweiterte Sicht der Geschlechterdebatte anregen und eine neue Balance zwischen Männern und Frauen initiieren könnte. Vielleicht  nach dem Motto: „Her(r) mit dem Männerprotest, nieder mit dem Feindbild Mann!“.

Damit eine neue Qualität von Mann-sein eine Chance erhält, ist insbesondere der Abbau der Geschlechterhierarchie erforderlich und das bedeutet letztlich auch Männlichkeit und Weiblichkeit zu enthierarchisieren.

Wir brauchen Balance

Eine offene, aktive Interessenvertretung für Frauen gibt es, nun ist es an der Zeit, diese genauso für Männer einzufordern und zu installieren.

Es braucht ein breites Netz an gemeindenahen Beratungs- Vermittlungs- und Schulungsangeboten für verschiedene männerspezifische Anliegen.

Ebenso muss die Männerforschung ausgebaut, der Stellenwert der Männerperspektive in der Genderforschung gestärkt werden.

Auch sind die Anliegen der Männer kontinuierlicher und umfassender in die Gleichstellungsinstitutionen und in die Kinder-, Jugend- und Familieninstitutionen zu tragen.

Betriebe sind zu sensibilisieren und Jungenarbeit flächendeckend zu verankern.

Ob ein Mann Vater wird und sein darf, obliegt in erster Linie dem Willen der Frau. Eine Demonstration mit dem Protestruf: „Mein Sperma gehört mir“ findet wohl kaum die öffentliche Resonanz, wie einst der feministische Schlachtruf „Mein Bauch gehört mir“.

Die Zahl der Samenzellen pro Ejakulat nahm seit 1920 fast um die Hälfte ab,      eine Folge der zunehmenden Entmannung der Männer?

Die erzwungene Abwesenheit des Vaters im Familienleben hat fatale Auswirkungen auf die Kinder und überlastet die Mutter. Väter könnten doch zu guten, in die Entwicklung ihrer Kinder einbezogenen, Erziehern und Versorgern werden, deren elterliche Leistungen die Mütter wiederum wertschätzen und entlasten könnten.

Waren das nicht Forderungen der  Frauenbewegung zum Ende des 20. Jahrhunderts? Junge Männer sollten ins Familienleben und in die Kinderbetreuung einbezogen werden. Heute ist der Vater aktiv bei der Geburtsvorbereitung, im Kreißsaal, am Wickeltisch und in der Elternzeit.

Papas an den Wickeltisch!

Aber, der Frau steht das Recht zu dem Mann ihrer Wahl einen Anteil des Elternrechtes zu verweigern oder zu übertragen, dabei hat sie optimale gesellschaftliche Unterstützung für ihr Ansinnen.

Fast nie gelingt es einem Vater, gegen den festen Willen der Mutter, Anteil am Leben des gemeinsamen Kindes zu bekommen. In diesem Sinn macht sie sich auch aus freien Stücken zu einer allein erziehenden Mutter. Das kann durchaus als ein Stück Selbstverwirklichung gewertet werden.

Ein Vater ist von unschätzbarem Wert für die gesunde Entwicklung eines Kindes, doch rund die Hälfte aller ledigen Mütter hält es bereits während der Schwangerschaft nicht mehr mit dem Vater des gemeinsamen Kindes aus und ein Drittel trennt sich innerhalb des ersten halben Jahres nach der Geburt von ihm. Alleinerziehend sein, könnte so als Ergebnis einer vorherigen unhaltbaren Lebenssituation gewertet werden.

Kinder sind zur Muttersache geworden und gleichzeitig zu einer öffentlichen Angelegenheit, um die sich insbesondere Jugendämter und Behörden zu kümmern haben.

Kinder laufen Gefahr durch den Elternteil bei dem sie leben instrumentalisiert zu werden.

Mutter und Kind haben eine gute Lobby, Väter stehen ohne da. Auf diese Weise wird das Recht des Kindes auf beide, Vater und Mutter, ausgehöhlt, Väter mit stattlicher Hilfe verdrängt und letztlich entsorgt. Der überwiegende Teil der geschiedenen Väter hat, auch bei großem Bemühen, nur wenig Umgang mit dem eigenen Kind. Der 14 Tage Rhythmus ist überaus unzufrieden stellend und das Einklagen eigener Rechte kostspielig und nervenzerreibend. Väter geben auf, gehen wirtschaftlich und psychisch zu Grunde.

Die Zahl der freiwilligen Sterilisierungen bei Männern wächst, Männer sind immer weniger bereit in diese Falle zu tappen. Die Pille für den Mann wäre ein effektiver Schutz. Sie ist machbar, aber ist sie auch politisch gewollt?

Sind die häufigen Abtreibungen aus sozialen und materiellen Gründen als eine Errungenschaft der Frauenbewegung oder ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft zu werten? Dabei können wir auf kein ungeborenes Kind verzichten und benötigen für eine nachhaltig gesunde Gesellschaft viel mehr Kinder, als zurzeit geboren werden.

Nach 40 Jahren Frauenbewegung wird jede 3. Ehe geschieden, leben die Singles Tür an Tür ohne sich wirklich binden zu können. Viele Kinder geschiedener Eltern haben Probleme mit ihrem Leben. Der private, gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Schaden ist für alle riesig.

Ist es ein frauenpolitischer Erfolg, dass jede 3. Frau kinderlos bleibt? Gerade Akademikerinnen, die Geld und Bildung en gros haben, verzichten auf Kinder. Familie und Familienarbeit ist abgewertet worden und bieten kaum einen Anreiz für Frauen geschweige denn Männer, sich dieser freiwillig zu widmen.

Väter und Mütter werden zunehmend entthront, die Familie als Erziehungsinstanz scheint überholt und dem Diktat der Medien unterworfen zu sein. Eine Entwicklung, die mit einer Veränderung der Gehirnstruktur einhergeht und auch das Gewissen als psychische Instanz scheint verloren gegangen zu sein.

Papa,Mama?

Dabei könnten wir, wie z.B. in Frankreich, auch Familie als sinnstiftend betrachten. Sie könnte als ein vertrauensvoller Umgang von Frau und Mann gesehen werden. Die Idee des gegenseitigen Dienens ist vielleicht tragbarer, als es eine Aufrechnung kaum lösbarer Interessen- und Machtkonflikte sein kann, in der die Leistungen gegenseitig aufgerechnet werden.

Frauen müssen gefördert werden, damit bestehende Benachteiligungen abgebaut werden können. Es muss aber auch darum gehen gesellschaftliche Benachteiligungen zu identifizieren, von denen Männer konkret betroffen sind.

Gleichstellungsbeauftragte sollten dafür Sorge tragen, denn ihr Arbeitsansatz ist der Artikel 3 des GG. Sie gehen aber häufig davon aus, dass es keine Diskriminierung von Männern gibt, oder sehen dieses Anliegen nicht auf ihrer Agenda. Dies muss sich top down ändern.

Es macht scheinbar nichts aus bei der Durchsetzung der Frauenförderung Mittel der Ungleichbehandlung anzuwenden. Ist diese Frauenbevorzugung und ist diese Männerbenachteiligung gerecht?  In einer Gesellschaft, in der alles für Frauen und nichts für Männer getan wird, verweigern sich zunehmend auch gut ausgebildete Männer dem Arbeits- und dem Partnermarkt.

Es muss explizit und einfühlsam nach männlicher Benachteiligung gefragt werden. Wir müssen herausfinden, warum Männer an Errungenschaften der vergangenen 50 Jahre nicht ebenso profitieren wie Frauen und ein ähnliches Lebensalter erreichen. Es wird Standfestigkeit nötig sein, sich für die Sache von Männern, genaugenommen von beiden Geschlechtern, im Sinne der Gleichberechtigung einzusetzen.

Sollte die Frauenbewegung in einen ideologisierten Feminismus abgedriftet sein, dann ist ihr Ende nahe, wenn es eine Gegenbewegung schafft den Ausgleich wieder herzustellen. Eine Geschlechterdemokratie erlaubt es beiden Geschlechtern sich nach eigener Wahl und eigenem Lebensentwurf in Beruf und Familie aufzuhalten. Wir müssen uns die Freiheit erkämpfen über neue Modelle, jenseits dem Zwang zur Erwerbstätigkeit bis zur Erschöpfung,  nachdenken zu dürfen. Es sollte doch möglich sein, die Vorteile der beruflichen sowie der familiären Bereiche für Männer und Frauen gleichermaßen zugänglich zu machen.

Es muss Männern und Frauen gleichberechtigt möglich sein am Familien- und Arbeitsleben teilzuhaben. Genderstudies müssen Männer mit einschließen und haben die Aufgabe traditionelle Rollen beider Geschlechter zu hinterfragen.

Starke, frauenbewegte, feministische Frauen könnten die stärksten Unterstützerinnen von Männerstudien sein, da sie um die daraus resultierenden Chancen für das weibliche Geschlecht wissen müssten.

Gleichstellungsarbeit sollte in diesem Sinne geschlechterübergreifend hälftig von einem Fachmann und einer Fachfrau gemeinsam, besser noch in einem interdisziplinären Gender Team, bearbeitet werden.

Zukünftig wird es wohl eher um das realitätsnahe und psychisch gesunde  „Sowohl-als-auch“ zwischen zwei mündigen Menschen gehen.  Vielleicht auch um ein geschwisterliches zusammenfinden von Männern und Frauen?

Wir müssen endlich auch das andere Auge öffnen und uns den Anliegen benachteiligter Männer im gleichen Maße annehmen, wie wir es seit Jahrzehnten für benachteiligte Frauen tun. Empathie und Objektivität der Fachleute wird nötig sein, um auch diesen Blick zu schärfen.

Das Geschlechterverhältnis muss als ein dynamisches verstanden werden, in dem Männer wie Frauen Akteure sind, die sich gegenseitig gut tun können! In diesem Sinne ist das Berufsbild der Gleichstellungsbeauftragten im Wandel der Zeit im berechtigten Interesse moderner Frauen und Männer neu zu bewerten und weiter zu entwicklen.Kita Leitung

Der Kuss

Fotos Harald Ebeling/Monika Dittmer

Goslar, den 1.3.2010

Auszüge und Eindrücke vom Männerkongress in Düsseldorf

Neue Männer – muss das sein?

Für Papa

1/3 Drittel der Anwesenden sind Frauen, darauf hatte ich gewettet. Es ist gut, dass sich Frauen auch auf diese Weise für Männer interessieren und es aushalten Zahlen und Fakten aus Männersicht präsentiert zu bekommen, um Sie mit eigener Berufs- und Lebenserfahrung abgleichen zu können.

In diesem Text fasse ich Aussagen der Referenten im Kontext meiner Wahrnehmung zusammen und hoffe Sie werden interessiert und nachdenklich die Lektüre beenden.

„Sehr geehrte Männer, sehr geehrte Frauen“ ist bei der Begrüßung nur gerechtfertigt und klingt mir nicht  unbekannt. Ich nutze diese sprachliche Variante durchaus auch, um in Texten sprachlich für Balance zu sorgen.

Mann  und Frau – Mann und Mann – Frau und Frau

Mein Interesse weckt die Aufforderung mehr Offenheit zur eigenen,  homophoben Seite zu entwickeln, füreinander sympathisch und liebenswert zu sein, (Franz)  durch körperliche Berührungen Signale zu setzen, die zeigen: Männer (Frauen) haben Gefühle, Männer (Frauen) mögen sich selbst, machen spannende Erfahrungen mit anderen Männern (Frauen). Genau das ist der Ansatz für meine Art der Gleichstellungsarbeit, das war es auch damals als es nur um mich als Frau und meinen eigenen Prozess  ging. Freundschaftlich verbunden schrieb mir einmal ein Mann: „Du willst die Geschlechterschmuseecke.“

Warum auch nicht, diese Art des Kontaktes ist sicher heilsamer als ein „Geschlechterk(r)ampf“.

Männer werden häufig nur als Objekt in der Gleichstellungspolitik wahr genommen, ein ganzes Geschlecht bleibt hier ausgespart, will nicht wahrgenommen werden. Das spüre ich in meinem Berufsalltag schon seit langem.  Aber Hilfe naht im BMFSJ: „Gleichstellungspolitik ohne die aktive Einbindung der Männer ist nicht mehr zeitgemäß“. Der Sozialstaat muss auch in Krisen für Männer sinnvoll arbeiten. Dann mal los!

Männer haben noch zu wenige Advokaten für ihre Anliegen. Die profeministischen Männer unterstützen die vorhandene Misandrie und fordern Empathielosigkeit gegen das eigene Geschlecht. Was fehlt ist, sich selbst anzunehmen, Männer „einfach“ zu mögen. (Hollstein)  Würde hier Frauen statt Männer stehen, dann wäre es ein Drama und würde für Aufschreie sorgen.

Die vornehme Aufgabe des Intellektuellen ist es seine Stimme zu erheben für jene, die ihre Stimme nicht erheben können. In diesem Sinne ist ein Empathieschub aus dieser Richtung für Jungen und Männer wichtig und richtig. Dank an die Initiatoren und die Referenten dieses Kongresses, die sogar um ihre leibliche Unversehrtheit fürchten mussten – und das im Land der Dichter und Denker…

Wir können nicht  so  tun, als ob wir wüssten was und wie Männer und Frauen sind, nur weil wir einem dieser Geschlechter angehören.  Wir können nicht von „den“ Männern und „den“ Frauen sprechen. Wir wissen sehr wenig über die Seite der Männer.  (Amendt) Aber Männer(und Frauen) können sich selbstbewusst um größtmögliche Authentizität bemühen.

Schieben erlaubt

Der „neue Mann“ kann nur so gut sein, wie die „neue Frau“, so wird die Gleichstellung zu einem Gemeinschaftprojekt. Dabei darf das untergründige Spannungsverhältnis der Geschlechter nicht  kaputt gemacht werden, es sollte gepflegt, unterstützt werden und erhalten bleiben.

Beide Geschlechter müssen die Möglichkeit haben mit ihrer Geschlechterrolle zu spielen und dabei Frau und Mann bleiben dürfen.  Kinder und Küche für Männer selbstbewusst zugänglich zu machen gehört genauso dazu, wie die Karriere für Frauen.  Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine politische Aufgabe, die lösbar ist. (Hurrelmann)Im Kontext der Geschlechter ist das überaus wichtig. Sich eine Rollenerweiterung zuzutrauen, ohne sich zu überfordern ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Männer (und Frauen) stecken in einer Zwickmühle zwischen Erfolg und eigenen Bedürfnissen. Unsere Rolle als Mann (oder Frau) können wir aber am besten selbst bestimmen.

Wenn eine Umkehrung der sozialen Ungleichheit in der Gleichstellungsarbeit eintreten würde, dann wäre das ein Paradigmenwechsel, (Hurrelmann) der zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beitragen wird.

Es ist an der Zeit sich wissenschaftlich mit den Männern zu befassen.  Der patriarchalische Vater, der soldatische, der tote und der abwesende Vater haben tiefgreifende Spuren im Selbstbild vieler Männer hinterlassen. (Franz) Eine Altlast, die aufgearbeitet werden muss.  Heute ist eine große Einsamkeit in der Seelenlandschaft vieler Männer zu Hause. Außerordentlich schmerzhafte Zusammenhänge haben sich manifestiert. Berührt sie das?

Es ist eine intellektuelle Pflicht und eine natürliche Folgerung im Sinne der Empathie für  den Menschen, sich mit diesen Dingen ernsthaft auseinander zu setzen.  Es hat der Evolution nun mal gefallen zwei Geschlechter zu schaffen und sich diese durch Sexualität zu erhalten. 50:50.

Vaterschaftschaft und Trennung/Scheidung

Der frühe Vater der ersten Lebensjahre, hat die Chance eine Bindung zu seinem Baby aufzubauen. Er ist für die Verselbstständigung des Kindes wichtig und macht den  Triangulierungsprozess erst möglich. Später ist er unersetzlich zur Konsolidierung der männlichen Sexualität. Ein Modell für sein Kind ein ganzes Leben lang. (Franz)

Männer/Väter fehlen heute, wo wir hinschauen. Jungen, (aber auch Mädchen) sehnen sich stark nach ihm, schauen Sie sich die filmischen Protagonisten einmal genau an! Filmische Massentriangulierung von Jungen die sie in der Illusion lässt initiiert zu sein. Die Zahlen der vaterlosen Kinder steigen kontinuierlich

Weggefährten

Vaterhunger, triebhafter Durst nach dem Vater, Vatersehnsucht. (Hirsch) Wenn eine Mutter echtes  Interesse an der ganzen Männlichkeit des Sohnes (und den Bedürfnissen ihrer Tochter) hat, muss sie hier handeln. Neben vielen anderen Problemen, haben vaterlos aufgewachsene Kinder noch nach 50 Jahren ein 2,5 fach höheres Risiko auf eine psychische Erkrankung. (Franz)

Es scheint  wenig Wahrnehmung für partnerschaftliche Dissonanzen beim Mann zu geben. Der Trennungswunsch von Frauen trifft Männer meist unvorbereitet.  Maskieren Frauen dieses Ansinnen absichtlich?

Wenn Männern im Scheidungskontext  Fragen gestellt werden, aus denen für sie Anerkennung und Wertschätzung hervorgeht, dann sprechen sie sehr wohl über ihre „andere“ Seite. (Amendt) Es wird Männern im Kontext von Scheidung bislang aber kaum Spezifisches angeboten, sie werden in ein weiblich geprägtes Beratungsumfeld subsummiert. Es muss etwas anderes passieren, wenn wir wollen, dass der Vater nicht die Flinte ins Korn wirft und die Kinder allein lässt.

62,1 % sagen, ja ich habe mir professionelle Hilfe geholt, 37,9% sagen, nein.

58% waren beim Rechtsanwalt, 47% haben das Jugendamt aufgesucht, 32%  holten sich psychologische Hilfe.

Viele Männer suchten mehrfach Hilfe. Im Ergebnis gehen sie dennoch leer aus.

Hohe Bildung entscheidet darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, ob sich ein Mensch fremde Hilfe holt.  Wer sich Hilfe holt, erkennt, dass Probleme nicht allein in sich selbst begründet sind. (Amendt) Je niedriger das Bildungsniveau, desto eher wird das Jugendamt in Anspruch genommen. (Das „Amt“ wird uns helfen). Gerade die Männer aus den niedrigen Bildungsschichten machen die schwierigsten Erfahrungen mit den JA

Bei den jungen Männern (und Frauen) sind die Scheidungsraten am höchsten, die Erfahrungen sind so traumatisierend, dass Männer (und Frauen) keine Beziehung mehr wollen.

Männerfeindlichkeit – Jungenfeindlichkeit

Wer entwertet wird, muss erst mal einen Wert haben. Heute ist gewollte und geschlechtsnatürliche gewachsene Diskriminierung von Männern und Jungen vorhanden. Frauenfeindlichkeit ist seit langem anerkannt, Männerfeindlichkeit nicht. Männer sind um viele ihrer Qualitäten enteignet worden. (Hollstein)

Das typisch männliche wurde gnadenlos zersägt. Zwischen Vergewaltiger und Versager pendelt die Entwertung. Lange vor der 1. Und 2. Frauenbewegung hat die Entwertung begonnen. Die Forschung hat sich darauf beschränkt, was Männer Frauen angetan haben und dabei andere Sichtweisen außer Acht gelassen.

Nach Lederer war es die Maschine, die eines der wenigen Vorteile der Männer über die Frau raubte – die Kraft. Der Mann ist ein Opfer seiner eigenen Erfindung geworden.  Der Körper der Männer musste umgestaltet werden, das Berufsleben wurde getaktet und verwaltet,  männliche Sexualität technisiert. Der Mann ist nicht mehr Mensch und Subjekt, sondern Experte und Funktionär. Eine Verantwortungsohnmacht, die den Mann zum Virtuosen seiner eigenen  Verantwortungslosigkeit macht. Dem Durchschnittsmann wird es nicht mehr erlaubt, seine Individualität  zu leben.

Wenn wir einmal groß sind…

„Mann sammle dich und sei Groß“ formulierte Gottfried Benn, ganz Mann.

Die ehemals positiven Eigenschaften des Mannes, werden heute der Frau zugeordnet.  Diese Entwertung darf man nicht dem Feminismus zuschreiben. Der Feminismus aber zerstörte die traditionelle Bilderwelt der Männlichkeit, das ist nicht klein zu reden.(Hollstein) Wir Menschen brauchen als instinktarme Wesen Bilder, um uns zu orientieren. Das Bild, das wir von uns haben ist identitätsstiftend.

Misandrie, Männerhass a la Dworkin: „vom Mann strahlt Terror aus, Terror erleuchtet das Wesen des Mannes, ist sein Lebenszweck.“ Pusch „Wir Frauen wissen nicht genau warum die Männer da sind, sie sind halt da und das ist schlimm genug.“ Mary French  setzt den Mann gleich mit Nazis.

Die feministische Auseinandersetzung mit der Sexualität des Mannes bezeichnet den  Penis als Waffe, die männliche Sexualität hat er auch gleich als patriarchalische Waffe erkannt. Feministen fordern, die  Frauenbewegung soll endlich die Schreckensherrschaft des Mannes auflösen in ein sanftes, paradiesisches Reich. Der Mann ist sozial und sexuell ein Idiot. Ein Mann fordert, den Untergang des Mannes und widmet sein Buch „den Frauen“.

Die Darstellung der Entwertung des Mannes wird habituell. So zeigt der Spot einer Versicherung: Wenn Papa tot ist, kaufe ich mir einen Ponyhof…

Die  ARD titeln in Ihrer Sendung „hart aber fair“: „Ewig Kind, häufig Macho, schließlich sugar daddy, sind denn Männer nie normal“.

Negative Männlichkeit  ist vom Feminismus verbreitet worden  und zwischenzeitlich umfänglich vorhanden. (Hollstein) Lächerlich machen, verächtlich herabschauen, nicht zur Kenntnis nehmen, für alles Schlechte verantwortlich machen, entmenschlichen, das männliche Geschlechtsteil dämonisieren…

Eine Fluggesellschaft lässt allein reisende Männer nicht mehr neben Kindern reisen.  In einer Kampagne in Österreich, posieren Kinder und Mutter unter dem Vater mit Schutzhelm geschützt.

Was den Mann ehemals zu einem Mann gemacht hat, ist jetzt pathologisch gegen ihn gerichtet. (Hollstein)  Männer sollen heute Gefühle zeigen, ihr Inneres zeigen, problematisieren und diskutieren, also das tun, was Frauen für sich beanspruchen.

Ständig werden sie kritisiert für das was sie nicht tun, selten wird gesehen, was sie leisten. Frauen bestimmen die Regeln, „ich weiß überhaupt nicht mehr wie ich mich als Mann verhalten soll“.

Obwohl Männer das „schwächere“ Geschlecht sind, wird ihnen ein Gesundheitsbericht verweigert. Ihre rechtliche Diskriminierung wird in der Öffentlichkeit nicht wahr genommen.

Das Gros der Arbeitslosen, Hilfsarbeiter, Obdachlosen ist männlich. Hier werden keine Forderungen nach Quote gestellt. Die gefährlichsten Berufe werden, auch in Ermangelung geeigneter weiblicher Bewerber, von Männern ausgeübt. In Tchernobyl und in  New York sind ausschließlich Männer in ihren gefährlichen Einsätzen gestorben.

Das Weibliche ist heute ideologisch und normativ, mehr wert und selbstverständlich geworden, ohne das es noch reflektiert werden muss

„Es muss den Jungen schwerer gemacht werden, damit es den Mädchen leichter wird“ ist eine frühe Forderung des Feminismus. Eine Lehrerin entschied in ihrer Klasse nur noch die weibliche Ansprache zu nutzen.  Jungen werden in der Schule für gleiche Leistungen schlechter bewertet als  Mädchen. Erzieherinnen und Lehrerinnen setzen auf Weiblichkeit und Mädchen, das ist ihnen vertraut, bewusst und unbewusst. Jungen müssen im Sportunterricht Schleiertänze aufführen, Ballspielflächen auf dem Schulhof werden in Kommunikationsfläche umgewandelt.

Jungen bringen sich mehr um, als Mädchen Jungen leben in einer terra inkognita, während Mädchen- und Frauenforschung immer neue Erkenntnisse liefern.

Wenn Tom Sawyer und Huckelberry Finn heute leben würden, würde man bei Ihnen wohl ADHS diagnostizieren und sie mit Ritalin ruhig stellen

Fazit

Es muss keine neuen Männer geben, aber wir müssen Männern dabei helfen ihre volle Menschlichkeit leben zu können!

Vätern eine Chance geben!